Glossar
Was ist die Abstrakte Verweisung
Die Abstrakte Verweisung wird bei Berufsunfähigkeitsversicherungen angewandt. Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, hat in der Regel Anspruch auf die vertraglich vereinbarte Leistung aus der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn im Versicherungsvertrag auf die abstrakte Verweisung verzichtet wurde. Mit der abstrakten Verweisung, als Vertragsbestandteil, muss die Versicherung keine Leistung erbringen, wenn Aufgrund der Ausbildung und Erfahrungen ein anderer Beruf ausgeübt werden kann, den der Versicherte trotz gesundheitlichen Einschränkungen problemlos ausüben kann. Einem Bäcker der wegen einer Mehlallergie nicht mehr in der Lage ist seinen Beruf auszuüben, kann nach § 172 VVG Absatz 3, eine Tätigkeit in einem anderen Beruf zugemutet werden.
Wenn eine Berufsunfähigkeit als Folge von Krankheit, Unfall oder starkem altersbedingtem Kräfteverfall vorliegt und keine andere Tätigkeit ausgeübt werden kann, wird § 172 VVG Absatz 2 angewandt und das Versicherungsunternehmen muss die im Vertrag vereinbarte Leistung erbringen.
Einige Versicherungsunternehmen verzichten auf die Abstrakte Verweisung. In diesen Fall steht berufsunfähigen Menschen die vertraglich vereinbarte Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung rechtmäßig zu, sobald sie ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.
Vor der Antragsstellung, müssen nach § 7 VVG, die Vertragsbestimmungen rechtzeitig an die Versicherungsnehmer ausgehändigt werden. Falls auf die Abstrakte Verweisung nicht wie gefordert verzichtet wird, sollte eine entsprechende Änderung der Vertragsbedingungen, vor der Unterschrift, verlangt werden.
Was ist die Arztanordnungsklausel
Die Arztanordnungsklausel ist oftmals bei privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen und Unfallversicherungen ein Bestandteil des Versicherungsvertrages. Heute verzichten aber viele Versicherungsgesellschaften auf diese Klausel in den Verträgen. Bei Vertragsabschluss, kann der Versicherungsnehmer aber auch den Ausschluss dieser Klausel verlangen.
Wenn die Arztanordnungsklausel Bestandteil des Versicherungsvertrags ist, wird den Versicherungsgesellschaften, nach § 82 VVG Absatz 2, das Recht eingeräumt die Versicherungsnehmer zum durchführen von ärztlichen Behandlungen und Therapien zu verpflichten.
Wenn absehbar ist, dass die angeordneten Behandlungen zur Genesung beitragen und dadurch die Möglichkeit besteht die Berufsunfähigkeit zu verhindern, müssen die ärztlichen Anordnungen befolgt werden. Werden die ärztlichen Anordnungen nicht befolgt, kann die Versicherungsgesellschaft die Leistungen aus der Versicherung verweigern oder verringern. Wird im Versicherungsvertrag auf die Arztanordnungsklausel verzichtet, können die Versicherungsnehmer selbst entscheiden ob und welche Behandlungen sie durchführen lassen, ohne Kürzungen oder die Streichung der Leistungen zu befürchten
Was ist das Regulierungsverhalten
Als Regulierungsverhalten, wird bezeichnet, wie sich die Versicherungen im Schadensfall den Versicherten gegenüber verhalten. Das heißt, leisten die Versicherungen zum Beispiel nach einem Sachschaden den Schadensersatz rechtzeitig und in angemessener Höhe, ist das Regulierungsverhalten gut.. Wenn das nicht der Fall ist müssen die Versicherten zahlreiche Telefonate führen, Briefe schreiben und mitunter sogar einen Anwalt einschalten um zu ihrem Recht zu kommen.
Aufgrund von Untersuchungen, die der Deutsche Anwaltsverein durchführen ließ, sind es gerade die großen Versicherungsunternehmen, deren Regulierungsverhalten zu bemängeln ist, kleine Unternehmen hingegen fallen positiv auf.
Wie gut das Regulierungsverhalten der Versicherungsgesellschaften ist, hängt mitunter auch von den Versicherten ab, denn wenn diese nicht alle erforderlichen Unterlagen und Informationen für ihre Schadenersatzansprüche einreichen, kann der zuständige Sachbearbeiter der Versicherungsgesellschaft keine Schadensregulierung vornehmen. Es kommt auch immer darauf an, ob es sich um Schmerzensgeld, Unfallschäden, arbeitsrechtliche Ansprüche bei Rechtschutzversicherungen usw. handelt.
Wenn ein Schaden bei einem Verkehrsunfall durch grobe Fahrlässigkeit entsteht, kann nach § 81, Absatz 2 VVG, die Leistung gekürzt werden, was von den meisten Versicherten als schlechtes Regulierungsverhalten angeprangert wird.
Nach § 249 Abs. 1 BGB muss der Schädiger, bei einem Schaden den er anderen zufügt, den Zustand vor dem Schadensereignis wieder herstellen, indem er den entstandenen Schaden reguliert. Wenn eine entsprechende Versicherung vorhanden ist, muss diese die Schadensregulierung vornehmen, wenn es sich nicht um einen vorsätzlich herbeigeführten Schaden handelt.
Was ist die Rückwirkende Anerkennung
Die Bezeichnung Rückwirkende Anerkennung ist vor allem in den Versicherungsbedingungen von Berufsunfähigkeitsversicherungen zu finden. Bei einer Erkrankung ist oftmals nicht gleich zu erkennen, ob es sich um eine beruflich bedingte Erkrankung handelt und wie lange die Genesung dauert oder ob die Erkrankten jemals wieder gesund werden.
Wenn die rückwirkende Anerkennung, ab dem ersten Tag der Erkrankung, Inhalt der Versicherungspolice ist, bekommen die Versicherungsnehmer bei Feststellung der Berufsunfähigkeit die vertraglich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente bis zu 6 Monate rückwirkend bezahlt.
Wichtig für die rückwirkende Anerkennung, dass ein entsprechendes Attest des behandelnden Arztes, ab dem ersten Tag der Feststellung der Berufsunfähigkeit vorliegt. Die Versicherungen erbringen die Leistung rückwirkend ab Feststellung der Berufsunfähigkeit.
Wenn die rückwirkende Zahlung im Vertrag vereinbart wurde, kann die Berufsunfähigkeit auch verspätet angezeigt werden und die Versicherung bezahlt die Berufsunfähigkeitsrente bis zu 3 Jahre rückwirkend.
Auf den Verzicht auf § 41 VVG in der Berufsunfähigkeitsversicherung sollte beim Abschluss geachtet werden, denn Versicherungsnehmer die gesundheitliche Probleme schuldlos nicht angeben, erhalten keine Leistung aus der Versicherung. Die rückwirkende Anerkennung wird ihnen auch dann verwehrt, wenn die gesundheitlichen Probleme nicht erkennen ließen, dass sie die Berufsunfähigkeit zur Folge haben. Mit dem Verzicht auf den § 41 VVG muss das Versicherungsunternehmen die Leistung bei Berufsunfähigkeit erbringen.